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Survival of the Fittest oder Vom großen Ganzen

18. Juni 2017, 21:02 von EKelle

Der Bericht: Nordsee- Exkursion eA Bio (kel)

 

Tief „Ingraban“ mit seinen Ausläufern schickt in der Woche nach Pfingsten Regen und Sturm nach Norddeutschland. 18 mm Niederschlag in nur vier Stunden sind es am Freitag auf der Nordseeinsel Helgoland. Regenponchos und -jacken schützen nur bedingt. Trotzdem begeistern die Brutkolonien der Seevögel am roten Felsen die SchülerInnen des eA- Kurses Biologie des Humboldt-Gymnasiums.

Mit der Biologie-Lehrerin Eva-Maria Kelle sind 17 SchülerInnen unterwegs im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer und auf der Hochseeinsel, um komplexe ökologische Zusammenhänge und Anpassungen zu erkunden.

Verstörend wirkt ein ungewöhnliches Bild: Einer der großen eleganten Bass-Tölpel, ein Albatros- Verwandter, hat sich im Nistmaterial seines eigenen Nestes verfangen und ist verendet.

Sehr viele Seevögel benutzen im Wasser schwimmende Plastik-Teile, so genannte Geisternetze, als Nistmaterial. Andere verfangen sich beim Fischfang darin. So droht auch Kegelrobben und Seehunden ein grausiges Schicksal - sie ertrinken.

Beim vorbereitenden Seminar am Abend zuvor war genau darüber referiert worden:

Unsichtbarer sind die Gefahren der Mikroplastikpartikel, das sind nicht verwesende Teilchen im Meer, die bereits neue Sedimentschichten bilden und die marinen Nahrungsnetze belasten. Letztlich kommen sie auch bei uns Menschen an. Erbgut und Hormonhaushalt können geschädigt werden.

Wie die Kursteilnehmer ermitteln, sind es noch andere Einflüsse, die die biologische Vielfalt beeinträchtigen: Zum einen ist es die Eutrophierung durch hohen Stickstoffeintrag über die Flüsse, erkennbar am massenhaften Auftreten der Fadenalge Phaecystis, die sich abgestorben als Algenschaum zeigt. Oder Neobiota, wie die Pazifische Auster, verdrängen heimische Arten. Sie setzt sich zum Beispiel auf die Miesmuschel-Bänke und bringt diese zum Absterben. Das sind auch Zeichen für steigende Wassertemperaturen in Folge des Klimawandels.

Davon war bei der Wattwanderung bei Dorum am Tag zuvor nicht viel zu spüren. Sturmböen peitschen über das Watt und treiben das aufgewühlte kalte Wasser vor sich her. Eine einmalige Erfahrung für alle Teilnehmer hineinzugehen, sich Tiere anzusehen. Darwins „Survival of the Fittest“ bekommt an diesem Tag eine ganz neue Dimension.

Auf den Salzwiesen waren kurze Zeit davor die kleinen Familien der Brandgänse mit ihren roten Schnäbeln, dem rostbraunen Brustband und dem kontrastreichen Gefieder nur schwer auszumachen. Austernfischer ducken sich zwischen grasenden Schafen und Rindern. Nur sehr spezifische Formen können diesen Extremen, dem ständigen Wechsel von Temperaturen, Wind und Sonneneinstrahlung standhalten.

Globale Auswirkungen veränderter Bedingungen haben die Exkursionsteilnehmer im Klimahaus in Bremerhaven an den Stationen entlang des 8. Längengrades untersucht. Vom überfluteten Samoa bis zu den weiter fortbestehenden Wüstengebieten des Niger und den zukünftigen Witterungserscheinungen können perspektivisch simuliert werden.

Überflutungen, Dürren und Missernten führten schon in der Vergangenheit zu großen Migrationsströmen. Im Auswandererhaus Bremerhaven wird eindrücklich und einprägsam an Menschenschicksalen die Aus- und Einwanderung dargestellt.

Aktuelle Forschung funktioniert durch Analyse vergangener Zeiträume. Im Hafen von Bremerhaven liegt das Forschungsschiff des Alfred-Wegener-Institutes, das tausend Jahre alte Eisbohrkerne aus Grönland mitgebracht hat. Diese lassen Rückschlüsse auf Vegetationsverhältnisse in Europa zu. So kann gefolgert werden, wie lange sich bei Klimaveränderungen Anpassungsstrategien der Organismen entwickeln und welche Gruppen von Pflanzen wann und wie lange auftraten. Breite Toleranzbereiche bieten bei rasanten Veränderungen Überlebensvorteile.

Für den Unterricht entstand während der Exkursionswoche eine Dokumentation im Rahmen von „Jugend schreibt“, einem Projekt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dabei steht das Recherchieren, die kritische Analyse von Informationen und das Schreiben im Fokus. Jeder der SchülerInnen bearbeitete ein Thema und verteidigte eigene Ergebnisse gleichzeitig auch als Vorbereitung auf die Schwerpunkte der Exkursion in abendlichen Seminaren.

Die umfassende Betrachtung und Darstellung eines beeindruckenden, aber sehr gefährdeten Lebensraumes ist gelungen.

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